Brief CMYK107 Architekt Dipl.-Ing. (FH) Horst Schmid, Bau- und Immobiliensachverständiger

Bauakustik

In der Bauakustik untersucht man die Schallausbreitung zwischen den Räumen innerhalb eines Gebäudes, beziehungsweise vom Freien ins Rauminnere. Die Übertragung des Schalls erfolgt durch Abstrahlung von Luftschall von den zu Schwingungen angeregten Gebäudestrukturen. Auf der Anregungsseite unterscheidet man zwischen der Luftschallanregung, bei der Luftschall die begrenzenden Flächen des Raumes in Schwingungen versetzt, und Trittschallanregung, bei der Körperschall direkt in die Gebäudestruktur eingeleitet wird (Gehen, Hämmern oder ähnliches). Wir konzentrieren uns hier auf die Grundlagen des Schallschutzes.

Der Schallschutz

Der Schallschutz umfasst die Maßnahmen gegen die Schallentstehung (Primär-Maßnahmen) sowie die Maßnahmen welche die Schallübertragung von einer Schallquelle zum Hörer verringern (Sekundär-Maßnahmen). Bei den Sekundär-Maßnahmen wird unterschieden, ob sich die Schallquellen und der Hörer im gleichen oder in verschiedenen Räumen befinden. Im ersten Fall erfolgt der Schallschutz durch die Schallabsorption, im zweiten durch die Schalldämmung.

Schalldämmung

Bei der Schalldämmung wird je nach Art der Schwingungsanregung der Baukörper zwischen Luft- und Körperschalldämmung unterschieden. Letztere beinhaltet Maßnahmen, die geeignet sind, das Übertragen von Schwingungen zwischen Bauteilen zu verhindern, mindestens zu mindern. Wichtige Bereiche des Körperschallschutzes sind das Vermindern der Trittschallgeräusche (Trittschalldämmung) und beispielsweise das Eindämmen von Sanitärgeräuschen von Armaturen, Rohrleitungen und Wannen.

Der Schallschutzbereich liegt im Bauwesen zwischen 100 und 3150 Hz. Das menschliche Ohr reagiert in diesem Bereich recht empfindlich, auch sind das die Frequenzen mit dem größten Lautstärkeanteil üblicher Geräusche hinter einer Wand.

Bild 4: Schallschutzbereich

Schallabsorption

Die Schallabsorption ist der Verlust an der Schallenergie bei der Reflexion an Begrenzungsflächen eines Raumes beziehungsweise an Gegenständen oder Menschen im jeweiligen Raum. Der Verlust entsteht hauptsächlich durch die Umwandlung von der Schall- und Wärmeenergie beim Auftreffen auf die Oberfläche der Wand oder falls der Schall in die Nachbarräume beziehungsweise ins Freie kommt.

Luftschalldämmung

Laut Definition ist die Luftschalldämmung die Schallpegeldifferenz zwischen zwei Räumen, angegeben in dB. Das Schalldämm-Maß „R“ kennzeichnet die Luftschalldämmung von den Bauteilen. Zur Ermittlung des Schalldämm-Maßes legt die DIN 52 210-5 die Werte und die jeweilige Vorgehensweise fest. Verschiedene Maße werden unterschieden:

  • Das Labor-Schalldämm-Maß R wird verwendet, wenn der Schall in einem Prüfstand durch Bauteile ohne Flankenübertragung gemessen wird.
  • Das Bau Schalldämm-Maß R‘ verwendet man bei zusätzlichen Flanken- und Nebenweg-Übertragungen.

Die Normenanforderungen für die Luftschalldämmung sind stets R’w-Werte in dB, dieser Kennwert wird in den DIN-Normen und Prüfzeugnissen als Beurteilungsmaß für die Luftschalldämmung von Wänden und Decken angegeben. Angaben dazu sind in der DIN 4109 zu finden. Bei Anforderungen an den Luftschallschutz geht man davon aus, dass im zu schützenden Gebäude ein gewisser Grundgeräuschpegel vorhanden ist, der durch die dort lebenden Menschen verursacht wird.

Bei Wänden und Decken, die als Ganzes schwingen, ist die Schalldämmung aufgrund der Masseträgheit gegen Mitschwingen vom Flächengewicht und dem Grenzfrequenzbereich abhängig. Im Grenzfrequenzbereich schwingen die Baukörper verstärkt mit Luftschallwellen mit. Das wirkt sich dann als verstärkter Schalldurchgang aus. Die Gefahr des Einbruchs der Dämmung in solch einem Fall, liegt vor bei leichten einschaligen Wänden mit geringem Flächengewicht (unter 200 kg/m²). Um bei einer solchen Bedingung eine höhere Schalldämmung zu erzielen, kann man Vorsatzschalen verwenden. Mit dem Anbringen der Vorsatzschalen wird die Wand zu einem zweischaligen System. So lässt sich das Schalldämm-Maß Rw bis zu 15 dB verbessen.

Der Luftschallschutz von Decken wird hauptsächlich durch deren flächenbezogene Masse bestimmt. Je nach Rohdeckenart kann hier bis zu 8 dB verbessert werden, wenn im Deckenhohlraum zusätzlich eine schallabsorbierende Mineralfaserplatte eingelegt wird. Die Wirkung bei einer abgehängten Decke ist allerdings begrenzt, da der Trittschall durch flankierende Bauteile dringt und als Luftschall unter Umgehen der abgehängten Decke abgestrahlt wird.

Bild 5: Schalldämmung durch Vorsatzschale und abgehängte Decke

Trittschalldämmung

Als Trittschalldämmung wirdder Widerstand einer Decke gegen den Durchgang von Trittschallwellen bezeichnet. Der Trittschall wird dem Körperschall bauphysikalisch zugeordnet. Der Trittschallpegel (LT) ist ein Maß für das zu erwartende Störgeräusch, das von Tritten an der Decke ausgeht. Ein hoher Trittschallpegel ist ein Beleg für eine mangelhafte Trittschalldämmung. Das Trittschallschutzmaß (TSM) wurde eingeführt, um mit einer Zahl den Trittschallschutz einer Deckenkonstruktion ausdrücken zu können. Die untenstehende Tabelle bietet einen Überblick:

Tabelle: Bewertetes Schalldämm-Maß RW und das Durchhören von Sprache
Quelle Bild 4, 5, Tabelle: Trockenbaumonteur Technologie (Wricke / Müller)

Das erforderliche Trittschallschutzmaß kann durch Schalldämmungs-Maßnahmen an der Decke beziehungsweise beim Aufbau des Fußbodens erfolgen. Sehr hohe Anforderungen bezüglich der Schalldämmung gegen Trittschall erfüllt schwimmender Estrich, mit hoher dynamischer Steifigkeit der Dämmschicht. Die dynamische Steifigkeit (s‘) bezeichnet das Federungsvermögen der Dämmschicht unter dem schwimmenden Estrich.

Zur Verbesserung des Luft- und insbesondere des Trittschallschutzes werden leichte Deckenbekleidungen und Unterdecken nach DIN 18 168 verwendet. Bei dieser Konstruktion sollte speziell auf die Schallübertragung durch starre Verbindungen und flankierende Bauteile geachtet werden. Die Deckenbekleidung beziehungsweise die Unterdecke bestehen aus einer biegeweichen Schale, die über elastische Verbindungen an der Decke befestigt ist. Die Anschlüsse an die flankierenden Bauteile sind ebenfalls elastisch auszuführen.

Einfluss flankierender Bauteile auf die Schalldämmung

Die Schalldämmung eines Bauteils kann durch Nebenwegübertragungen, beispielsweise über flankierende Bauteile, in großem Maße beeinträchtigt werden. Die Flankenübertragung wird durch die Bauart der angrenzenden Bauteile bestimmt. Um negative Wirkungen der Nebenwegübertragung eizudämmen oder auszuschließen, müssen die flankierenden Bauteile entweder ausreichend schwer oder doppelschalig ausgeführt sein. In DIN 4109 werden Mindestanforderungen an flankierende Bauteile gestellt.

Als Schalldämmstoffe, die zugleich auch wärmedämmend sind, kommen für luft- und trittschalldämmende Maßnahmen zum Einsatz:

  • Torf in Form von Torfmull, Torfsteinen und Torfplatten
  • Holz, lose als Holzwolle oder Sägespäne, fest in Form von Leichtbauplatten
  • Filzplatten, gepresster Wollfilz, Bitumenfilz und Bitumen-Korkfilz
  • Kork, Bitumen-Kokosmatten, Press-Stroh
  • Glaswolle
  • Kieselgur oder auch Diatomeenerde, lose zur Verfüllung von Zwischendecken
  • Faserdämmstoffe
  • Schaumkunststoffe aus Polystyrol, PS-Schaum nach DIN 18164-2 in Form von Platten oder Bahnen
  • Gipskarton-Lochplatten nach DIN 18180 mit durchgehenden Löchern oder Schlitzen und rückseitig angebrachtem Faservlies
  • Deckenplatten aus Gips nach DIN 18169, Schallschluckplatten mit gebrochenem Gipskörper, rückseitiger Randverstärkung und Faserdämmstoffeinlage.

Quelle: https://www.ausbauundfassade.de/raumakustik-bauakustik

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